Executive Briefing: KI-Roadmap 2026

2026 ist das Jahr, in dem KI aus dem Experimentierstadium in die Routine überführt werden muss. Viele Unternehmen stecken fest zwischen zwei Polen: Einerseits wollen sie "KI nutzen", andererseits wissen sie nicht, wo sie anfangen sollen. Die Gefahr ist, dass entweder zu breit investiert wird (alles überall versuchen) oder zu eng (nur ein Pilot in einer Abteilung).

Ein Drei-Horizonte-Modell

Wir haben uns ein Framework etabliert, das Führungskräften hilft, Prioritäten zu setzen:

Horizont 1: Effizienz (3–6 Monate) Anwendungsfälle, die bestehende Arbeit schneller oder genauer machen. Beispiele: Support-Assistenten, Dokumenten-Zusammenfassungen, Kategorisierung von Eingangspost. Der ROI ist messbar und tritt innerhalb weniger Monate ein. Risikobereich: niedrig. Investition: überschaubar.

Horizont 2: Wachstum (6–18 Monate) Anwendungsfälle, die neue Geschäftswerte eröffnen. Beispiele: KI-gestützte Produktempfehlungen, personalisierte Self-Service-Plattformen, automatisierte Angebotserstellung. Der ROI ist indirekt (mehr Umsatz, höhere Conversion), braucht aber eine Lernphase. Risikobereich: mittel. Investition: erheblich.

Horizont 3: Transformation (18+ Monate) Anwendungsfälle, die die Geschäftsarchitektur verändern. Beispiele: Vollautomatisierte Fallabwicklung, autonome Supply-Chain-Entscheidungen, radikal neue Kundenerfahrungen. Der ROI ist strategisch und zeitlich schwer zu fassen. Risikobereich: hoch. Investition: signifikant.

Die Fehler, die wir beobachten

Fehler 1: Horizont-3-Ambitionen ohne Horizont-1-Fundament. Wer ohne saubere Daten-Pipelines autonome Entscheidungen treffen lassen will, baut auf Sand. Horizont 1 ist nicht nur Effizienz — er baut das Fundament für die späteren Horizonte.

Fehler 2: Zu viele Horizont-2-Projekte parallel. Jedes Wachstums-Projekt bindet Ressourcen für 6+ Monate. Drei parallele Initiativen bedeuten 18 Monate gebundene Kapazität. Konzentration schlägt Breite.

Fehler 3: Verwechslung von Horizont und Technologie. "Wir machen jetzt KI" ist keine Roadmap. Die Frage ist: Was genau wollen wir erreichen? Die Technologie ergibt sich daraus, nicht umgekehrt.

Was 2026 entscheidbar ist

Drei Entscheidungen sollten dieses Jahr fallen:

  1. Plattform-Entscheidung: Welche Infrastruktur trägt unsere KI-Initiativen in den nächsten drei Jahren? Die Wahl zwischen Hyperscaler, Sovereign-Cloud und On-Premise hat langfristige Implikationen. Einmal getroffen, sehr teuer zu revidieren.
  2. Daten-Governance: Welche Datenbestände dürfen wie genutzt werden? Wer entscheidet über neue Use-Cases? Ohne klare Governance-Strukturen kommt jedes einzelne Projekt bei der Datenfreigabe ins Stocken.
  3. Kompetenz-Strategie: Bauen wir intern KI-Kompetenz auf, oder arbeiten wir mit Partnern? Die Antwort ist selten schwarz-weiß — meistens eine Mischung. Aber die Gewichtung muss bewusst getroffen werden.

Was warten darf

Modell-Wahl: Die Frage, ob GPT-5 oder Claude 4.6 oder ein Open-Source-Modell "besser" ist, wird überschätzt. Für 80% der betrieblichen Anwendungsfälle ist die Modell-Qualität nicht der Engpass — es sind die Daten-Pipelines, die Context-Aufbereitung, die Orchestrierung.

Marketing-Kommunikation: Extern über KI zu reden, bevor intern KI funktioniert, ist riskant. Die Glaubwürdigkeit wird am ersten sichtbaren Fehler getestet. Erst liefern, dann kommunizieren.

Der nächste Schritt

Ein ehrliches Readiness-Assessment ist ein guter Startpunkt. Welche Horizont-1-Use-Cases sind innerhalb von 6 Monaten umsetzbar? Welche Daten stehen ready bereit? Welche Governance-Lücken sind zu schließen, bevor Horizont 2 sinnvoll startet?

Wir begleiten solche Assessments regelmäßig — meistens in 4–6 Wochen, mit konkreten Priorisierungs-Empfehlungen am Ende. Mehr dazu auf Anfrage.

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